Nürburgring Golf    

Original Golf 1 Umbau und Lackierung Motoreinbau Geschichte
Geschichte:

Golf - das liegt wohl in meiner Kindheit. Mein Vater hatte einen, dunkelblau. Der von meiner Mutter war rosa...

Vor ein paar Jahren besuchte ich einen Nachbarn in seiner Garage, in der ein Golf1 mit fertig aufgebautem GTI Motor und Webervergasern vor sich hin dümpelte. Die alten Erinnerungen an Golf fahren standen klar vor mir. Mein einziger Gedanke war: Das Auto werde ich restaurieren. Es war wie eine Vision, ich sah den fertigen Golf schon vor mir.
Das Geschäftliche war kurz und knapp. Nachfrage, Angebot, Verhandlung, Kaufvertrag. Fertig.
Jetzt war er meiner! Ich habe mir ein praktische Strategie zurecht gelegt. Eins nach dem anderen. Was will ich verändern? Was brauche ich dazu? Wo gibt es Informationen? Wie lange dauert das Projekt? Mein Kopf war besetzt mit diesen Planungen. Nach Originalteilen suchen, Preise vergleichen, Schrottplätze besuchen, ebay durchforsten. Eins nach dem anderel und ohne müde zu werden. Kein Problem!
So langsam füllte sich mein Regal in der Garage. Zuerst die erstandenen Teile aufarbeiten, reparieren, kleinste Ersatzteile besorgen, manchmal anfertigen lassen und schließlich polieren. Meine Freizeit war auf Monate hinaus verplant.
Das Auto mußte nun auseinandergebaut werden. Stück für Stück. Bei der Vorbereitung für die Lackierung gibt es keine Kompromisse, nur saubere Arbeit. Ich klare Vorstellungen von dem was zu tun war. Also, an die Arbeit, Golf zerlegen - und schön vorsichtig.
Endlich, der Termin bei Rheinlack in Duisburg-Rheinhausen stand an und ich konnte das Fahrzeug nach drei! Wochen wieder abholen. Sah schon sehr gut, meinem Golf.
Doch jetzt war erst recht Vorsicht geboten - der Lack. Das Zusammenbauen hat viel Freude gemacht. Mit jeden Tag wurde er schöner. Dann erfuhr ich, dass sich ein Baby angekündigt hat, unser Sohn Luis. Schweren Herzens habe ich mich dazu entschieden, ihn gegen einen Golf 2 Turbo zu tauschen. Die Idee war wohl die schlechteste seit langem. :-(


Nach ein paar Wochen habe ich eine E-Mail mit anhängenden Fotos von dem Fahrzeug bekommen - Totalschaden. Das Auto sah schlimm aus und den Insassen ist nicht passiert! Getrauert habe ich aber dennoch. Schade!
Den eingetauschten Turbo Golf habe ich schnellstens verkauft.

 

 

 

Und dann lacht mich doch so ein frecher orangefarbener Karmann Ghia an. Den konnt' ich nicht stehenlassen. - Gekauft -. Er war vollkommen schrottreif und total zerlegt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch Hoffnungen, aber eine wahre Liebe wollte nicht aufkommen. Seht selbst.


Offenbar war ich schon von dem Golf1-Virus befallen. Angenehme Krankheit ...
Jedenfalls, ich hatte starke Entzugserscheinungen.
Ein bißchen konnte ich mir mit dem Kaufen und Verkaufen von schönen Golf Chromteilen über die Runden helfen. Außerdem hatte ich noch viele schöne Teile in meinem Regal, die ich nach und nach verkaufte.
Sascha, auch ein infizierter, hatte noch einen Satz Chomtürgriffe und Chromspiegel, die er mir überließ, um sie bei ebay für ihn zu versilbern. Ist doch klar, das ich diese Teile nicht bei ebay angeboten habe. Ich war fasziniert von dem guten Zustand dieser seltenen Teile. In meinem Kopf pochte es: Golf1, Golf1, Golf1. Schon hat es mich wieder, das Golf1-Fieber.
Wie unter Zwang suchte ich nach bestimmten Teilen: original Ausstellfenster für vorne, Happich Ausstellfenster für hinten, Alu-Einstiegsleisten, Chromstoßstangen, natürlich nur Original, Grill mit Chromumrandung. Habe auch alles aufgespürt und zusammengekauft.
Die Alu-Einstiegsleisten waren von 1974, von mir entdeckt in Michis Garage (auch ein Golf1 Schrauber), in der sich so manche Schätze unter einem Haufen Kram ausgraben lassen. 1974, da war ich noch in Abrahams Wurstkessel. Auch die originalen Ausstellfenster sind älter als ich.
Meine Schätze hortete ich wieder in dem Garagenregal.

Ich mußte nur noch etwas finden, wo ich die Teile anschrauben konnte...
Die Frage war: Wo? Wo finde ich den Golf, in einem guten Zustand und möglichst ganz in der Nähe. Wozu hat man Freunde, Bekannte, Nachbarn, Familie? Ein Bekannter hat mir einen Golf1 in einem Garten im Nachbarort gezeigt. Der steht da so rum und wartet nur darauf gefahren zu werden.
Aber - wem gehört dieser Golf1, wem gehört dieser Garten. Den Besitzer konnte ich ziemlich schnell ausfindig machen. Es ist wie auf dem Dorf, jeder kennt jeden, ein paarmal anklingeln und nachfragen, schon war der Besitzer gefunden.
Kurzes Gespräch, Geschäft abgewickelt. MEIN GOLF! Wirklich gut erhalten, ein Wunder bei der Laternengarage.

Auf dem nach Hause Weg habe ich in meinem Kopf schon angefangen, den Golf auseinanderzuschrauben.
Zuhause dann... Zack! Zack! Zerlegt! Wie das alles abläuft, kannte ich schon von dem ersten Golf.
Ach ja, den Lackierer mußte ich schleunigst anrufen. Alles klar, Termin gemacht. Kurze Zeit später ruft er mich an, um den Termin zu verschieben. Diese Aktion durfte ich mehrmals erleben. Das konnte doch wohl nicht war sein.
Dann endlich durfte ich den Golf zu ihm bringen. Überhaupt kein Problem. Keine Scheiben drin, Schneetreiben, 4 Grad minus und ca. 15 km Wegstrecke. Aber ich bin blitzartig losgefahren, mußte nur noch kurz meinen Bruder überzeugen, dass es mich dort abholt. Das Auto sollte nach einer Woche fertig sein. Ich mußte meine ganze Disziplin aufwenden und Toleranz üben, es hat knappe vier Wochen gedauert, bis ich ihn wieder hatte.
Mein lieber Scholli, vier Wochen sind verdammt lang. Der Lackierer wollte mich anrufen, wenn ich den Golf abholen kann. Er ist nicht dazu gekommen, ich war mit dem Telefonieren immer schneller als er! Und weil ich mich so nett um die Leute von Rheinlack gekümmert habe, haben die mich doch glatt eingeladen, beim Lackieren dabei zu sein. Das brauchen sie nicht zweimal zu sagen. Ich war dabei!
Der fertig lackierte Golf war wieder in meiner Garage. Das Zusammenbauen war fast schon Routine. Nach ein paar Wochen war er für die erste Ausfahrt bereit. Vorher natürlich bewundert von meiner Familie, den Nachbarn, meinen Freunden, den Bekannten und wenn ich mich nicht täusche, sogar von meiner Mutter.

Wenn ihr denkt, das war's jetzt. Weit gefehlt. Schrauberkollege Mattes hat mir eine Floh ins Ohr gesetzt: Swampcooler. Er fand, dass es interessant aussieht. Hat hier in "Good Old Germany" kaum einer. Kennt ihr nicht? Ist doch ganz klar, eine Klimaanlage. Nee, jetzt ma' Spaß beiseite. Das ist wirklich ein Apparat, der kühle Luft während der Fahrt ins Auto bringt.

Der Fahrtwind wird durch eine Trichterförmige Öffnung in eine Röhre geleitet die von innen mit Schaumgummi ausgekleidet ist. Unten im Swampcooler befindet sich ein Behälter, der mit Wasser gefüllt wird. Um den Schaumgummi ständig feucht zu halten gibt es eine Zugkordel, die die in dem Swampcooler befindliche Röhre in dem Wasserreservat dreht. Die gesamte Apparatur wird an der Dachreling befestigt. Durch einen minimal geöffneten Spalt am Beifahrerfenster wird die physikalisch entstehende Verdunstungskälte in das Fahrzeug geleitet.
Ach ja, der Floh. Ich brauche tatsächlich einen Swampcooler. Also habe ich das ausgefallene Teil der amerikanischen Automobilgeschichte im Netz gesucht und mit viel Geduld in Amerika, Phoenix, Arizona, auch gefunden.

Nachdem Zoll, Banken und Transporteure auch akzeptierten, dass ich so ein Ding brauche, ist es dann pünktlich zum Sommeranfang bei mir gelandet.
Der Zollbeamte bekam eine Extrastunde "amerikanische Automobilgeschichte" von mir und konnte dann beruhigt die Einfuhr genehmigen.
Ein paar Kleinigkeiten schwirren noch in meinem Golf-lastigen Kopf herum: Vor allem der unfertige Motorraum. Die Teile dafür, kein Thema! Oder! Mein Garagenregal ist fast wieder voll. Scirocco 16V Hinterachse mit Scheibenbremsen, Vorderachse von GTI, Bremssättel vom 16V und einen komplett vorbereiteten 1,8er mit Doppelvergasern warten auf den Einbau im kommenden Winter.
Und dann? Vielleicht meinen Traum erfüllen und einen T1 Bully aufpäppeln. Wer weiß...?